10. August 2015

Deutschland: Was geht bei dir? - Der Tragödie zweiter Teil

Na, Blutdruck schon kritisch, die Galle am überquellen? Es geht weiter mit dem retardierenden Moment:
Die Flüchtlingsproblematik in der BRD. Ja, da wird eine Menge Wirbel drum gemacht, da gibt es viele Meinungen zu. Aber... Ja, das Wörtchen „aber“ wird da auch ganz oft benutzt, sehr gerne in Sätzen wie „ich bin dafür, Asylbewerber aufzunehmen, aber...“ oder „ich habe nichts gegen Ausländer, aber...“. So ein Bullshit. Entweder ist man dafür oder dagegen, es gibt kein dazwischen, bzw. dazwischen liegt nur Scheinheiligkeit und hirnlose Laberei, um die eigene Schlechtigkeit zu verschleiern.

Aber der Reihe nach. Die Politik muss handeln. Das schon mal schlecht. Mit der tollen Regierung. Aber Flüchtlinge sind ja was Neues, gab es früher nicht. Oder so ähnlich.
Dabei wäre es enorm einfach:
1. Sinnlose Ausgaben streichen, wie z.B. viele Subventionen (gerade an große Unternehmen), der schlimmste Teil der Krise ist vorbei (vorübergehend) und wer Keynes gelesen und verstanden hat weiß, dass man unterstützende Maßnahmen in wirtschaftlich besseren Zeiten stoppen sollte. Zumal große Unternehmen es schaffen sollten, Wettbewerbsfähigkeit an den Tag zu legen.
2. Sinnlosere Ausgaben streichen, wie z.B. bei der Bundeswehr (wie sie aktuell besteht, sowieso nicht tragbar, aber das ist ein anderes Thema). Da sag ich nur Drohnen und Kampfhubschrauber.
3. Helfen. Ja, das sagt sich so leicht. Aber wenn man es ernsthaft angeht, ist das absolut möglich. Das oben eingesparte Geld lässt sich dann an die Bundesländer zweckgebunden verteilen, die dann lokal besser für den Einsatz der Mittel sorgen können. Beispielsweise für Unterbringung und damit meine ich nicht Sporthallen, Zeltstädte und ähnliche Provisorien. Ich meine dauerhafte Lösungen, bis die Asylbewerbungen genehmigt sind: Bauen von Wohnheimen und bis die fertig sind, Unterbringung in Hotels etc. Klingt blöd oder unrealistisch? Weder das eine, noch das andere. Punkt.
Zu teuer? Die Drohnenanschaffung kostet den Bund ca. 168 Millionen Euro. Damit kann man 4600 Menschen ein Jahr lang in einem Hotel für 100 Euro pro Nacht unterbringen. Wer es nicht glaubt, nimmt jetzt seinen Taschenrechner und gibt ein: 100*365*4600. Heraus kommt 167,9 Millionen. Tada.
Und jetzt nehmen wir mal an, dass man durchaus günstigere Konditionen bei so einer Menge aushandeln kann und dass sich durchaus mehr Geld zusammenkratzen ließe, wenn man an den richtigen Stellen sparte und private, gemeinnützige Organisationen hinzu zöge... Aber was weiß ich schon.
Stattdessen wird lieber über die Definition von "sicheres Herkunftsland" gefachsimpelt. Es lebe die Bürokratie, Heilsbringerin der Menschheit...

Jetzt zum Gesellschaftlich-Moralischem:
Es gibt eine Menge Leute, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind. Denen erstmal ein herzliches „Fuck you hard“ ins Gesicht. Mit nem Stuhl. Der brennt. Und angespitzte Beine hat.
Aber der Reihe nach, es sind ja nicht alle militante Möchtegern-SS-Nachfolger (die hatten wenigstens schicke Uniformen), wie diese Vollschwachmaten, die gewalttätig versuchen, ihre Ziele durchzusetzen, allein dieses Jahr gab es etwa 200 gewaltsame Übergriffe gegen Asylunterkünfte. So viel im Vorjahr zusammen.
Des weiteren rufen vielerorts seriöse politische Vereinigungen zu Demonstrationen, Kundgebungen und sogar Fackelzügen auf, dabei zeigen sie immer wieder ihre unbestechliche Eloquenz, politische Bildung, soziale Kompetenz und grandiose Vermarktungsfähigkeiten, wie zum Beispiel die NPD Trier in diesem fulminant beschissenen Protestaufruf, nach dessen Genuss man sich fragt, wie sie es geschafft haben, nicht vor Intelligenzüberschuss tot umzufallen: https://www.youtube.com/watch?v=vqAcIkjyT8M
Leider gibt es erfolgreichere Aktionen dieser Art, weil in diesem Land keiner mehr das Hirn einschaltet.  

Dann gibt es tatsächlich immer wieder Gegner, die sachlich zu argumentieren versuchen.
Zum einen die „besorgten Anwohner“, die gemäß des „Not in my backyard“-Prinzips prinzipiell für die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen sind, nur halt nicht in ihrer Nähe, weil dadurch ja der Grundstückswert sinkt (buhu, ich bin so arm, ich habe ein Grundstück) oder kriminelle Ausländerbanden, die die Nachbarschaft unsicher machen. Ja ne, ist klar, sollen die doch froh sein, dass überhaupt ein Flüchtlingsheim gebaut wird und der Staat nicht sagt: So Freunde, ab jetzt nimmt aber mal jeder Haushalt, der genug Platz hat, Flüchtlinge auf und ernährt sie, dadurch verschandelt euch keine Unterkunft das Viertel. Könnte die Regierung sagen. Tut sie aber nicht. Freut euch gefälligst, scheinheiliges Pack.

Auf der anderen Seite sind dann noch die, die argumentieren, für die faulen Ausländer sei ja Geld da, aber die eigene Bevölkerung müsse auf der Straße leben, die Auszubildenden sind zu arm, etc.
Also erstmal zur Klarstellung: Auf der Straße leben muss kein deutscher Staatsbürger. Er muss nur den Arsch hoch kriegen, ein wenig Eigeninitiative zeigen und zum Amt gehen, ein paar bürokratische Hürden nehmen und fertig ist (ich könnte jetzt das genaue Verfahren mit den hintergründigen Gesetzestexten ausführlich ausbreiten, aber ganz im Ernst, das würde den Rahmen sprengen und selbst den intelligenteren Lesern den letzten Nerv rauben, geht selbst zur Sozialagentur eures Vertrauens) und Auszubildende können durchaus so etwas wie Bafög beantragen. Aber das ist ja auch Eigeninitiative, nen Antrag schreiben, igitt, man muss was dafür tun, damit man Geld bekommt (und schreiben können)...

Dann: Was heißt hier faule Ausländer, viele wollen ja arbeiten, dürfen es aber nicht, weil das Gesetz es verbietet, da beißt sich die Schlange in den Schwanz. Das ist übrigens auch ein Unding, wenn die hier hin kommen und arbeiten wollen, dann lasst sie das verdammt noch mal tun, dann kann genau so eine beknackte Argumentation gar nicht entstehen. Wobei, ne, dann kommen diese Idioten und sagen: „Die nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg“. Ist klar, in einer globalisierten Welt wie unserer ist das verdammt noch mal so, und wenn der Ausländer besser geeignet für den verdammten Job ist, dann soll der den auch bekommen. Das nennt sich Gleichheitsprinzip. Aber das versteht ja doch keiner.

Das schönste Argument ist dann auch noch das der Wirtschaftsflüchtlinge: „Die kommen ja nur hierher, weil sie zu Hause nix erreichen und hier staatliche Leistungen abgreifen können.“ Das geht in eine ähnliche Richtung wie oben, unterstellt aber noch vorsätzlichen Betrug. Da muss man sagen: Ja, Missbrauch gibt es, aber Deutsche machen es genauso, da sind alle Menschen gleich scheiße. Ja, auch Deutsche können beschissene Asoziale sein. Ohnein, welch Überraschung, mein Weltbild wankt... 
Aber mal Klartext: Wer würde nicht versuchen, wenn er aus einem armen Land ohne ernstzunehmende Perspektive kommt, Asyl in einem reicheren Land zu erhalten, in dem der Staat Geld bezahlt und es potentiell bessere Jobs gibt, um seine Familie zu ernähren? Klar, kein echter Deutsche, der würde lieber strammstehend für Führer, Volk und Vaterland zu Grunde gehen. Tut er geistig sowieso, weiß er nur nicht. 


Zu ruhig? Zu wenig rage? Ist ein retardierendes Moment. Tjaja.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen