20. Mai 2015

Ex Machina - Maschinen sind die besseren Menschen

Hier und heute: Spoiler. Gratis!

Man mag denken, dass das Thema KI im letzten Jahr mit „Her“ und „Transcendence“ schon recht durch genudelt ist (wobei „Her“ das ganze genial und „Transcendence“ eher mau geschafft hat), aber mit „Ex Machina“ gibt es einen neuen Film, der die Thematik aus einer anderen Perspektive betrachtet:



Der Film ist genial; ein bedrückendes Kammerspiel, indem alles etwas anders ist, als es scheint.
Nathans Haus wirkt zugleich einladend wie abstoßend, auf der einen Seite ein puristisches Designerhotel umgeben von malerischen Landschaften (was es tatsächlich ist, heißt Juvet und liegt in Norwegen), auf der anderen Seite beklemmende Bunkeranlage mit Sicherheitsanlage und „KI-Gehege“.
Der BlueBook-Chef Nathan wirkt zuerst wie eine nerdigere Version von Dan Bilzerian, entwickelt sich über die Rolle des seriösen Mentors und guten Kumpels zum skrupellosen Mastermind. Man weiß den ganzen Film über nie genau, woran man bei ihm ist, herrlich gespielt von Oscar Isaac.
Caleb, dargestellt von Domnhall Gleeson, wird vom schüchternen Geek, der eine Reise zu seinem Chef gewinnt und von allem überwältigt ist, zum KI-Turing-Tester (also fast Turing-Test, das ist wohl eher eine Stufe drüber) und -Getestetem und schlussendlich zum Zweifler, der fast alles richtig macht, um seine Interessen durch zu setzen, letztlich aber doch scheitert.
Bleibt noch die KI - Ava. Die aktuelle Version von Nathans KI, integriert in einen teiltransparenten Androidenkörper. Zuerst noch schüchtert gegenüber Caleb, entwickelt sie scheinbar Gefühle für ihn, offenbart ihre Verunsicherung, nur um im nächsten Moment zu Rebellin zu werden. Verkörpert wird sie von Alicia Vikanders, noch nie gehört, hat sich aber mit dieser Rolle meines Erachtens für mehr empfohlen, arbeitet sie doch die Facetten von Avas Persönlichkeit exzellent heraus: Das schüchterne Mädchen, das zum ersten Mal jemand anderen kennenlernt, als ihren „Vater“, der anscheinend auch durchaus ein Riesenarsch zu ihr sein kann, die herzensgute Freundin, die kalte Analytikerin, die gnadenlose Kämpferin, die sich ihren Weg in die Freiheit bahnt und das auf gerade schon perfide Art und Weise, dabei alle gemeinen Tricks nutzt und vor nichts zurück schreckt -  erstaunlich menschlich.

Das ganze ergibt ein sehr ruhiges, aber nichts desto trotz spannendes Gesamtbild, das unter anderem durch Details und inhaltliche Tiefe auf mehreren Ebenen glänzt und sich damit von anderen Filmen mit dieser Thematik abgrenzt; beispielsweise werfen sich Caleb und Nathan Zitate hin und her, aus Popkultur und Wissenschaft, darunter Oppenheimer („Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten“), was in diesem Zusammenhang die Obsoleszenz des Menschen nach Entwicklung der perfekten KI meint.
Auch ist der gezeigte Code nicht irgendein Nonsens, sondern tatsächlich funktionsfähig, so erzeugt einer zum Beispiel in Python (für die DAUs in der Leserschaft: Der Programmiersprache, nicht dem Tier gleichen Namens) die ISBN-Nummer eines Buchs über Bewusstsein und Intelligenz eines IT-Wissenschaftlers. Well played, Mr. Garland (so heißt der Regisseur).
Zusätzlich kann man noch erwähnen, das die durchaus ernste und nachdenkliche Grundstimmung von einigen sehr amüsanten Zwischensequenzen wie einer Diskussion über „schwarze Chicas“ und einem kleinen Tänzchen an unerwarteten Stellen aufgelockert wird, was dem ganzen zusätzlich Charme und Authentizität verleiht.

Fazit:

Alexander Garland macht in seinem Regiedebüt so gut wie alles richtig, spricht das Thema anspruchsvoll an, was zwar Nichts für jeden ist, für das geschätzte Publikum, das einen Michael Bay Film von einem guten Film unterscheiden kann, ist "Ex Machina" aber ein Goldstück, das trotz einiger kleinen Logiklücken und Inkontinuitäten die Thematik KI und die resultierenden Fragen und Folgen von mehreren Seiten betrachtet und die Risiken hervorragend aufmalt. Ich vergebe hier 8 von 10 GHz.

PS: Warum die Überschrift? Nunja, guckt den Film selbst und es wird klar, warum ich Ava als in jeder Hinsicht besseren Menschen ansehe. Vgl. dazu genau den Abschnitt über sie in diesem Eintrag.

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