28. Februar 2015

23. Februar 2015

Da. CD. Subways. Neu. Und so.

The Subways haben vor ein paar Wochen ihr neues Album heraus gebracht, mit dem kreativen Titel „The Subways“. Tolle Leistung.
Aber zum musikalischen. 
Das Album hat drei Lieder:

Das eine aus dem Radio, „My Heart Is Pumping To A Brand New Beat“:
Nicht das Fetzigste, nicht das textlich Kreativste, nicht das Schlechteste, nicht das Beste.
Hört sich ganz angenehm, aber nach ein paar mal ist es mau und macht nur noch bedingt Spaß. Genau wie „It‘s a Party“ vom letzten Album „Money and Celebrity“.
  
Das gute Lied, „Taking All The Blame“:
Wenig rau, Text ist auch nicht besonders, dafür musikalisch aber deutlich besser als der Rest, das Lied bleibt im Kopf und hat viel Potential, dass es auch beim tausendsten Hören nicht langweilig wird, so ähnlich wie „Mary“ von „Young for Eternity“, nur bisschen peppiger.
Da kommt direkt diese gute Laune hoch, die man von den alten Sachen kennt. Leider zieht sich das nicht durch den Rest des Albums.

Und den Rest.
Der ist halt da, nicht wirklich schlecht, nicht besonders gut, ein Paar Refrains bleiben im Kopf, musikalisch auch mal rauer und/oder ausgefeilter, aber dann textlich oder gesanglich etwas hinterher (wobei sie das ja eigentlich können, vgl."All or Nothing", "Mary" oder "Rock&Roll Queen"); also mehr so noch durchschnittlicher als sonst.

Achja, was es auch noch gab, aus irgendwelchen Gründen, die wahrscheinlich niemand außer der Band und den Label-Pinguinen kennt: Das Album wurde zwei geteilt, wer es vorbestellt hat, bekam schon im Oktober/November die ersten sechs Songs und jetzt eben die andern sechs. Es wurde also ein unvollständiges Produkt verkauft. Scheint ja im Trend zu sein, Alpha-Versionen zu verkaufen...
Was genau hat das gebracht? Nix. Aber wir haben ne neue Art gefunden, das Album zu promoten, um darüber hinweg zu täuschen, dass es nicht ganz so gut ist, wie die andern.

Wow, such genius, so clever, wow, many innovation, very braindead, wow.

Fazit: 
Schwer. Auf der einen Seite machen ein paar Songs durchaus Spaß, auf der andern Seite können sie nicht überzeugen, wie die auf den ersten drei Alben, komplett daneben liegt aber auch nichts. 
Vielleicht ließe es sich am besten damit beschreiben, dass die Band aus der Resterampe der letzten Alben geschöpft und zuviel Zeit damit verbracht hat, über die Vermarktung nach zu denken. 
Für die Bemühungen und guten Ansätze gibt es dann noch 5 von 10 Punkten, für die Vermarktung zieht ich aber direkt einen ab, bleiben also nach langem Rechnen ganze 4 über.

2 davon gibt es jetzt, und die andern 2, wenn die Hölle zu friert.

12. Februar 2015

Sammelsurium menschlicher Abgründe

Beim vorletzten Bücherkauf geriet mir die Leseprobe zu Krähenmädchen von Erik Axl Sund, dem Pseudonym eines Autorenduos aus Skandinavien in die Hände und weil ich in der Bahn nix besseres zu tun hatte (außer vielleicht in meinem Kopf meine Mitreisenden ununterbrochen für ihr Verhalten als Untermenschen zu bezeichnen), hab ich die 30 Seiten mal schnell runtergelesen und danach stand fest:
Ich. Brauche. Dieses. Buch.*

Text vom Buchrücken, mit einigen Anpassungen meinerseits, um das ganze etwas auszuschmücken und deutlicher zu machen:

Stockholm [such Schweden, very generic, so awesome]: 
Ein Junge [Genderquality! Sonst sind es immer Mädchen...] wird tot in einem Park gefunden. Sein Körper zeigt Zeichen schwersten Missbrauchs. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche [oho, wie überraschend]... Auf der Suche nach dem Täter bittet [die quasi-depressive] Kommissarin Jeanette Kihlberg die [psychisch kranke] Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, bei der eines der Opfer in Therapie war. Ihr Spezialgebiet sind Menschen mit multiplen Persönlichkeiten [vorzugsweise Ex-Kindersoldaten aus Afrika, der Dramatik wegen]. Eine andere Patientin [tatsächlich?] Sofias ist Victoria Bergman, die unter einem [nur?] schweren Trauma leidet. Sofia lässt der Gedanke nicht los, bei ihr irgendetwas übersehen zu haben... [an dieser Stelle ist „irgendetwas“ leicht untertrieben]. Schließlich müssen sich Jeanette und Sofia fragen: Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird [und wie doof sind manche Menschen eigentlich, innerhalb von 5 Sekunden wild fremden ihre volles Vertrauen zu schenken]?

Soviel dazu...

Erstmal bin ich begeistert von diesem Buch:
Psychisch kranke Charaktere und damit meine ich selbst für meine Begriffe psychisch krank und jeder der mich kennt, weiß, dass die Messlatte da recht hoch liegt.**

Depression und Trostlosigkeit, das Schwinden jeder Hoffnung, hach, da geht mir das Herz auf.

Tränendrüsenstories, die in Wahrheit keine sind, sondern reine Gewaltorgien der perfidesten Stufe, ich habe fast Diabetes bekommen.

Ein, zwei Plottwists, die sich im Grunde vorher ankündigen, die man aber für zu abwegig hält, als dass man sie ernsthaft in Betracht zieht und man denkt sich nur: Autsch.

Kindesmisshandlung wo man hinguckt, Menschenhandel, Sklavenausbildung, ein Spaß für die ganze Familie.

Cliffhanger, gerade da, wo eine massive Offenbarung für die Handlung gemacht wird.

Aber... Ja, bei mir geht nix ohne aber:
Es wirkt ein bisschen wie ein Flickenteppich, verbunden mit dünnen roten Fäden und ner Menge Seemannsgarn. 
Die beiden Autoren scheinen die skandinavischen Krimi/Thriller-Regale der letzten Dekade durchgegangen zu sein, haben sich überall ein paar Notizen gemacht, die Lücken mit ihren eigenen Ideen gefüllt und das dann als Buch veröffentlicht.
Wie z.B. eine depressive Frau mit Alkoholiker als Mann ein Kind adoptieren können... Schwer vorstellbar. Genauso wie einige Zusammenhänge, ne, das ist zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Aber ich denke, denen ging es nicht darum, eine möglichst originelle, nur eine möglichst perfide Story zu erzählen und das gelingt ihnen enorm gut, diese menschlichen Abgründe machen einfach Spaß beim Lesen, da verkraftet man die ein oder andere Logiklücke.
Ich vergebe dafür 7,5 von 10 Antidepressiva... ähm... Sterne.
Bin gespannt, was die nachfolgenden Teile können. Hähä.


*Details:
Eine der Hauptpersonen bastelt sich ihr eigenes Sklavenzimmer:
Komplett Schall- und Blickisoliert, verdeckt durch ein Bücherregal, in dem dann die Flüchtlingskinder zu Leibeigenen ran gezogen und ggf. entsorgt werden. Enorm detailliert geschrieben, damit hatten sie mich in der Leseprobe direkt in der Tasche.

**Achtung, massiver Spoiler:

Dass Sofia und Victoria ein und die selbe Person sind, hab ich echt viel zu spät verstanden, aber die ganze Geschichte über ihre Gedächtnislücken, das „Einschlafen“ usw., einer der raffinierteren Schachzüge in diesem Buch, dafür beide Daumen nach hoch.