16. August 2015

Star Trek: Neue Grenze 3

So, eine kurze mythenmetzsche Abschweifung, um die Spannung auf das große Finale der Tragödie noch zu vergrößern:
Brummlibrummlibrummli... nah. Das gabs ja schon. Darum jetzt etwas über den dritten Teil von ST: Neue Grenze, Märtyrer (es gibt da sonen tollen Witz mit Jesus und nem VW-Bus...)

Die Haupthandlung um den Bürgerkrieg auf Zondar, von dem niemand mehr weiß, wer ihn eigentlich warum angefangen hat, und Capt. Calhoun als der Messias beider Konfliktparteien, beginnt recht ruhig, nach ausführlicher Diskussion mit Shelby spielt er mit und will die Gelegenheit nutzen, langfristigen Frieden zu stiften, wie es in einer Prophezeiung voraus gesagt wird und das gelingt zu Beginn mit der aus den ersten beiden Büchern bekannten „Diplomatie verquerer Mittel“ noch recht gut, Si Cwan als Sonderbotschafter leistet auf die ein oder andere Weise seinen Teil und präsentiert sich dabei recht gut.
Allerdings entgleitet die Kontrolle ein wenig, und zwar nicht nur Calhoun, sondern auch dem Autor; der weitere Verlauf und der Abschluss sind ein wenig zu vorhersehbar, als dass es echte Überraschungen, bis auf die Verteidigung des Verstecks, (die auch nicht wirklich weiter erläutert wird) gäbe.
Amüsieren kann man sich allerdings bei der Jagd auf das Versteck durch Burgoyne 172 und Ensign Janos, einem Mugato (affenähnlich, allerdings mit Horn und Giftzähnen, yay).

Der zweite größere Handlungsstrang befasst sich mit Dr. Selar, die mit ihrem Pon Farr (vulkanischer Paarungstrieb) zu kämpfen hat, da sich auf dem Schiff kein anderer Vulkanier befindet und der Kreis der Personen, die sich Selar als potentiellen Partner vorstellen könnte, schwindend klein ist und der werbende Burgoyne 172 sich nicht als große Hilfe erweist.
Diese Nebenhandlung ist vergleichsweise amüsant, auch wenn das Thema eigentlich ernst ist, da man eine Vulkanierin, getrieben von logischem Denken, bei der Partnerwahl und den daraus resultierenden Konflikten beobachten kann. 

Ansonsten gibt es noch ein paar Kleinigkeiten wie Schiffsfehlfunktionen, die zwar näher besprochen, aber nicht wirklich aufgelöst werden (vllt. hab ich das auch überlesen?), die Position (das ist witzig) Robin Leflers als Si Cwans persönliche Assistentin (oder vielleicht mehr? [darum ist es witzig]) und, sehr amüsant, direkt am Anfang des Buches, eine Diskussion mit dem allseits beliebten Admiral Jellico. Alles nett, aber nicht weltbewegend.

Fazit: 
Märtyrer lässt im Vergleich zum zugegebenermaßen sehr starken Auftakt nach, liefert eine Geschichte, die ohne weiteres aus Deep Space Nine kommen könnte und nicht durch  Originalität der Geschichte zu überzeugen weiß, sondern eher durch die Nebenhandlungen, darum gebe ich 6 von 10.

10. August 2015

Deutschland: Was geht bei dir? - Der Tragödie zweiter Teil

Na, Blutdruck schon kritisch, die Galle am überquellen? Es geht weiter mit dem retardierenden Moment:
Die Flüchtlingsproblematik in der BRD. Ja, da wird eine Menge Wirbel drum gemacht, da gibt es viele Meinungen zu. Aber... Ja, das Wörtchen „aber“ wird da auch ganz oft benutzt, sehr gerne in Sätzen wie „ich bin dafür, Asylbewerber aufzunehmen, aber...“ oder „ich habe nichts gegen Ausländer, aber...“. So ein Bullshit. Entweder ist man dafür oder dagegen, es gibt kein dazwischen, bzw. dazwischen liegt nur Scheinheiligkeit und hirnlose Laberei, um die eigene Schlechtigkeit zu verschleiern.

Aber der Reihe nach. Die Politik muss handeln. Das schon mal schlecht. Mit der tollen Regierung. Aber Flüchtlinge sind ja was Neues, gab es früher nicht. Oder so ähnlich.
Dabei wäre es enorm einfach:
1. Sinnlose Ausgaben streichen, wie z.B. viele Subventionen (gerade an große Unternehmen), der schlimmste Teil der Krise ist vorbei (vorübergehend) und wer Keynes gelesen und verstanden hat weiß, dass man unterstützende Maßnahmen in wirtschaftlich besseren Zeiten stoppen sollte. Zumal große Unternehmen es schaffen sollten, Wettbewerbsfähigkeit an den Tag zu legen.
2. Sinnlosere Ausgaben streichen, wie z.B. bei der Bundeswehr (wie sie aktuell besteht, sowieso nicht tragbar, aber das ist ein anderes Thema). Da sag ich nur Drohnen und Kampfhubschrauber.
3. Helfen. Ja, das sagt sich so leicht. Aber wenn man es ernsthaft angeht, ist das absolut möglich. Das oben eingesparte Geld lässt sich dann an die Bundesländer zweckgebunden verteilen, die dann lokal besser für den Einsatz der Mittel sorgen können. Beispielsweise für Unterbringung und damit meine ich nicht Sporthallen, Zeltstädte und ähnliche Provisorien. Ich meine dauerhafte Lösungen, bis die Asylbewerbungen genehmigt sind: Bauen von Wohnheimen und bis die fertig sind, Unterbringung in Hotels etc. Klingt blöd oder unrealistisch? Weder das eine, noch das andere. Punkt.
Zu teuer? Die Drohnenanschaffung kostet den Bund ca. 168 Millionen Euro. Damit kann man 4600 Menschen ein Jahr lang in einem Hotel für 100 Euro pro Nacht unterbringen. Wer es nicht glaubt, nimmt jetzt seinen Taschenrechner und gibt ein: 100*365*4600. Heraus kommt 167,9 Millionen. Tada.
Und jetzt nehmen wir mal an, dass man durchaus günstigere Konditionen bei so einer Menge aushandeln kann und dass sich durchaus mehr Geld zusammenkratzen ließe, wenn man an den richtigen Stellen sparte und private, gemeinnützige Organisationen hinzu zöge... Aber was weiß ich schon.
Stattdessen wird lieber über die Definition von "sicheres Herkunftsland" gefachsimpelt. Es lebe die Bürokratie, Heilsbringerin der Menschheit...

Jetzt zum Gesellschaftlich-Moralischem:
Es gibt eine Menge Leute, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind. Denen erstmal ein herzliches „Fuck you hard“ ins Gesicht. Mit nem Stuhl. Der brennt. Und angespitzte Beine hat.
Aber der Reihe nach, es sind ja nicht alle militante Möchtegern-SS-Nachfolger (die hatten wenigstens schicke Uniformen), wie diese Vollschwachmaten, die gewalttätig versuchen, ihre Ziele durchzusetzen, allein dieses Jahr gab es etwa 200 gewaltsame Übergriffe gegen Asylunterkünfte. So viel im Vorjahr zusammen.
Des weiteren rufen vielerorts seriöse politische Vereinigungen zu Demonstrationen, Kundgebungen und sogar Fackelzügen auf, dabei zeigen sie immer wieder ihre unbestechliche Eloquenz, politische Bildung, soziale Kompetenz und grandiose Vermarktungsfähigkeiten, wie zum Beispiel die NPD Trier in diesem fulminant beschissenen Protestaufruf, nach dessen Genuss man sich fragt, wie sie es geschafft haben, nicht vor Intelligenzüberschuss tot umzufallen: https://www.youtube.com/watch?v=vqAcIkjyT8M
Leider gibt es erfolgreichere Aktionen dieser Art, weil in diesem Land keiner mehr das Hirn einschaltet.  

Dann gibt es tatsächlich immer wieder Gegner, die sachlich zu argumentieren versuchen.
Zum einen die „besorgten Anwohner“, die gemäß des „Not in my backyard“-Prinzips prinzipiell für die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen sind, nur halt nicht in ihrer Nähe, weil dadurch ja der Grundstückswert sinkt (buhu, ich bin so arm, ich habe ein Grundstück) oder kriminelle Ausländerbanden, die die Nachbarschaft unsicher machen. Ja ne, ist klar, sollen die doch froh sein, dass überhaupt ein Flüchtlingsheim gebaut wird und der Staat nicht sagt: So Freunde, ab jetzt nimmt aber mal jeder Haushalt, der genug Platz hat, Flüchtlinge auf und ernährt sie, dadurch verschandelt euch keine Unterkunft das Viertel. Könnte die Regierung sagen. Tut sie aber nicht. Freut euch gefälligst, scheinheiliges Pack.

Auf der anderen Seite sind dann noch die, die argumentieren, für die faulen Ausländer sei ja Geld da, aber die eigene Bevölkerung müsse auf der Straße leben, die Auszubildenden sind zu arm, etc.
Also erstmal zur Klarstellung: Auf der Straße leben muss kein deutscher Staatsbürger. Er muss nur den Arsch hoch kriegen, ein wenig Eigeninitiative zeigen und zum Amt gehen, ein paar bürokratische Hürden nehmen und fertig ist (ich könnte jetzt das genaue Verfahren mit den hintergründigen Gesetzestexten ausführlich ausbreiten, aber ganz im Ernst, das würde den Rahmen sprengen und selbst den intelligenteren Lesern den letzten Nerv rauben, geht selbst zur Sozialagentur eures Vertrauens) und Auszubildende können durchaus so etwas wie Bafög beantragen. Aber das ist ja auch Eigeninitiative, nen Antrag schreiben, igitt, man muss was dafür tun, damit man Geld bekommt (und schreiben können)...

Dann: Was heißt hier faule Ausländer, viele wollen ja arbeiten, dürfen es aber nicht, weil das Gesetz es verbietet, da beißt sich die Schlange in den Schwanz. Das ist übrigens auch ein Unding, wenn die hier hin kommen und arbeiten wollen, dann lasst sie das verdammt noch mal tun, dann kann genau so eine beknackte Argumentation gar nicht entstehen. Wobei, ne, dann kommen diese Idioten und sagen: „Die nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg“. Ist klar, in einer globalisierten Welt wie unserer ist das verdammt noch mal so, und wenn der Ausländer besser geeignet für den verdammten Job ist, dann soll der den auch bekommen. Das nennt sich Gleichheitsprinzip. Aber das versteht ja doch keiner.

Das schönste Argument ist dann auch noch das der Wirtschaftsflüchtlinge: „Die kommen ja nur hierher, weil sie zu Hause nix erreichen und hier staatliche Leistungen abgreifen können.“ Das geht in eine ähnliche Richtung wie oben, unterstellt aber noch vorsätzlichen Betrug. Da muss man sagen: Ja, Missbrauch gibt es, aber Deutsche machen es genauso, da sind alle Menschen gleich scheiße. Ja, auch Deutsche können beschissene Asoziale sein. Ohnein, welch Überraschung, mein Weltbild wankt... 
Aber mal Klartext: Wer würde nicht versuchen, wenn er aus einem armen Land ohne ernstzunehmende Perspektive kommt, Asyl in einem reicheren Land zu erhalten, in dem der Staat Geld bezahlt und es potentiell bessere Jobs gibt, um seine Familie zu ernähren? Klar, kein echter Deutsche, der würde lieber strammstehend für Führer, Volk und Vaterland zu Grunde gehen. Tut er geistig sowieso, weiß er nur nicht. 


Zu ruhig? Zu wenig rage? Ist ein retardierendes Moment. Tjaja.

4. August 2015

Deutschland: Was geht bei dir? - Der Tragödie erster Teil

Kaum ist man mal einen Monat so richtig im Schreibtief, schon passiert in diesem Unternehmen... diesem demokratischen Staat... oha, das kann man ohne zynisches Schnauben gar nicht mehr sagen, so viel, über das man sich aufregen kann. Wo soll man da nur anfangen...

Ich beginne mit Ronald Pofalla. Den kennen sicher einige noch, der war bis Ende 2013 Merkels Bückstück im Kanzleramt, als sogenannter Bundesminister für besondere Aufgaben (so nen ähnlichen Titel hatte der dicke Göring auch mal, just saying), der, der die NSA-Affäre für beendet erklärt hat -  also eine Witzfigur, die für unsere geliebte Kaiserin... Kanzlerin getanzt hat.
Der ist nach dem Ende seiner politischen Karriere ziemlich schnell zur Deutschen Bahn gewechselt (das sind die mit der Verspätung) und arbeitet seit dem dort als Lobbyist - bezeichnend, dass eine teilstaatliche Firma Lobbyisten „braucht“.
Das ist ja erstmal nichts neues, dass ausrangierte (das ist witzig, weil es um die Bahn geht) Politiker in gut bezahlte Unternehmenspositionen wechseln und auch recht schnell aufsteigen, so wie Pofalla, der seit vorgestern im Vorstand sitzt (und einen eigentlich besetzten Posten ein nimmt, wodurch ein Vorstandsmitglied zwei Jahre volle Bezahlung für nichts tun erhält); allerdings wird er jetzt auch noch von Oberschaffner Grube als aussichtsreichster Kandidat für seine Nachfolge gehandelt. Damit hat die Politik ja nix zu tun, der kommt nur so weit, weil er eine Kompetenzbestie ist.

So. Das war zum Aufwärmen, Adrenalinpegel und Blutdruck steigen langsam, der Magen zeigt erste Rebellionserscheinungen.

Thema Nr. 2 bringt einen da schon zum ersten Aufstoßen und an den Kopf fassen:
Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD), äußerte in einem Interview, die SPD solle doch auf einen Kanzlerkandidaten bei der Wahl im Jahre 2017 verzichten, gegen Angela Merkel hätte man ja doch keine Chance, die würde ja ihren Job „ganz ausgezeichnet“ machen. 
Wer jetzt denkt, ich hätte mir das ausgedacht oder irgendwas durcheinander gewürfelt - nein, tatsächlich so passiert, hier der Link: https://goo.gl/4i99fK.
Wer hat dem ins Gehirn geschissen? Die Frau macht gar nix „ganz ausgezeichnet“, außer Plattitüden und leere Sätze von sich zu geben, ab und zu mal eine klare Ansage machen, wo es sich gar nicht vermeiden lässt, also wenn Weihnachten, Ostern, Sommersonnenwende und Vollmond am selben Tag sind. Den Rest ihrer Zeit verbringt sie damit, dieses Land in den Ruin zu steuern, getrieben von Lobbyisten und Egoismus, auch wenn man dafür das Programm des ehemaligen Erzfeindes SPD (von der Herr Albig witziger Weise noch denkt, dass sie Volkspartei sei - im Ernst, seine Drogen will ich auch)übernimmt, den Wortlaut ein wenig konservativer gestaltet und es als toll und neu verkauft, ohne dass es selbst die SPD merkt und hintenrum das genaue Gegenteil macht, das eigene Land über den Tisch ziehen will (NSA, TTIP etc.)?
Wie kann man das als „ganz ausgezeichnet“ hinstellen? Und wie kann man daraus ableiten, dass die SPD keinen Kanzlerkandidaten aufstellen sollte? Das ist ein Eingeständnis der Niederlage, bevor die Wahl überhaupt in den Köpfen der Menschen ist, ja das ist sogar eine Niederlage der Demokratie, denn mit dieser Haltung wird eine Alternativlosigkeit zum Status Quo suggeriert und eine potentielle Wahlmöglichkeit der Bürger aufs Abstellgleis gestellt (um bei den witzigen Bahnmetaphern zu bleiben)! Wie soll der Wähler denn noch ernsthaft in der Wahlkabine sein Kreuz machen, wenn er sich denn dorthin verirrt, wenn nur Mutti omnipräsent ist und sonst kein ernsthafter, bekannter Gegner? Da ist doch die absolute Mehrheit für die Union vorprogrammiert.

So, und da sind wir direkt bei Thema 3:
Nach aktuellen Umfragen könnte das sogar gelingen (auch wenn ich bezweifle, dass solche Umfragen repräsentativ und sinnvoll sind). Da kann man direkt mal in mehrere Wunden heißes Salz streuen:

I) Wie bescheuert sind denn die Befragten? Wer kann allen Ernstes annehmen, dass das in irgendeiner Form gut ist? Welcher denkende Mensch denkt nach den letzten Legislaturperioden, dass die CDU gut für diesen Staat ist, außer Unternehmer, die der Regierung die Gesetzestexte einreichen?

II) Es deucht, dass das gezielte Manipulation der Wähler ist. Verschwörungstheorie? Vielleicht. Aber es ist bezeichnend, dass solche Umfragen für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gemacht werden, in deren Entscheidungsgremien eine Menge Politiker sitzen und eine Menge Einfluss haben. Aber staatliche Beeinflussung der Medien gibt‘s ja nicht. Eine Zensur findet nicht statt (dazu später noch mehr).

III) Wer kann danach noch tatsächlich auf die Idee kommen, CDU zu wählen? Allein der Gedanke, einer einzigen Partei die vollkommene Kontrolle über das Parlament zu geben und den Staat damit ihrer Willkür auszusetzen, muss ansatzweise denkfähige Menschen vor den Kopf stoßen oder zumindest aufhorchen lassen. Aber das ist ja hierzulande eine aussterbende Rasse, den meisten kommt es ja nur darauf an, dass da Frau Merkel auf dem Thron sitzt, die macht das ja „ganz ausgezeichnet“. Warum wählen wir eigentlich noch und gründen nicht das Deutsche Kaiserreich wieder. War sowieso viel toller damals. Man wusste genau, wer nach 20 Jahren oder mehr als Thronfolger die Macht erbt und wen man anbeten kann, das deutsche Volk hat ja zur Genüge bewiesen, dass es sowas braucht (dazu auch noch mehr). 

So, der Dramatik und der Gesundheit des geneigten Lesers wegen endet hier der erste Teil. Der Zweite folgt in Kürze.

Wer Rechtschreib-, Grammatik- und/oder Zeichenfehler findet, darf sie behalten, sich sonst wohin stecken und selber versuchen, im totalen Ragemode einen solch fundierten und professionellen Eintrag zu verfassen. Ignorantes Pack.

4. Juni 2015

Geht's noch G7?


Auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen m schönen CSU-Wunderland findet diese Woche ein Wunderwerk der Politik, ein Allheilmittel für die Probleme der Welt, ein strahlendes Ereignis der Menschheit statt: Der G8-Gipfel... Oh, ich höre gerade Russland darf nicht mehr mitspielen, wie früher im Kalten Krieg, also nur ein G7-Gipfel, nur weil Putin ein paar Panzer mit Soldaten auf Urlaubstour in die Ukraine geschickt hat. 
Aber anstatt auf diesem Treffen einen Dialog zu führen, lässt man den doofen Russen draußen. Der stinkt schließlich. Auch China wird nicht mit ins Boot geholt, obwohl seit ganz kurzer Zeit die wohl wichtigste Industrienation überhaupt, aber das sind ja doofe Kommunisten, bei denen Korruption unter harter Strafe steht.
Aber egal, viel wichtiger ist, was da tatsächlich diskutiert werden soll:

  • Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik
  • Post-2015-Agenda
  • Meeresumweltschutz, Meeresgovernance und Ressourceneffizienz im Bereich Umwelt
  • Antibiotikaresistenzen, vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten im Bereich Gesundheit
  • Standards in Handels- und Lieferketten
  • Stärkung von Frauen bei Selbständigkeit und beruflicher Bildung
  • Energieversorgungssicherheit

Achja, das klingt enorm erfolgsversprechend, genauso wie der letzte G8-Gipfel, von dem ja so ziemlich all Punkte umgesetzt wurden. Ach, nicht? Ja, schade, dann halt dieses Mal. Wirklich.
Aber es gibt einen Lichtblick, das letzte Mal entstand eine Menge Ärger mit lästigen Protestlern und dieses Jahr hat man eine gute Lösung gefunden, denn man ist ja in Bayern und muss sich nicht an so lästige Dinge wie das Grundgesetz halten und unterbindet das mal eben. Mit mehr als 10.000 Polizisten, einem 8km-Sperrgebiet und NSDAP... Verzeihung CSU-Glanzideen, unter anderem fadenscheinige Gründe, um Demonstranten vom Campen auf Privatgelände (nebenbei bemerkt: 19km vom Schloss entfernt...) abzuhalten: Hochwasser. Auf einer Wiese. Im Juni. In Mittenwald. Durch Sintflut. Das ist so fürsorglich, die armen Aktivisten vor Gottes Zorn zu schützen. Den sie selbst durch ihre sog. Politik herbei rufen...
Zum Glück gibt es in diesem Irrenhaus noch eine Bastion, dem Wahnsinn standhält: Das Münchner Landgericht kippte diese Entscheidung der Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen. Die reagierte prompt mit Unverständnis und mimimi.
Aber was will man auch erwarten, in der CSU steigt man ja nicht durch Verstand auf.
Ist aber schon traurig, wie viel Angst die gewählten Volksvertreter vor ihrem eigenen Volk haben und die verfassungsmäßige Versammlungsfreiheit angreifen. Scheint so, als wären die gar nicht so demokratisch eingestellt und würde lieber machen, was sie wollen. 

Ach, ich und meine aufrührerischen Hirngespinste, die tun doch nur das beste für uns. Und mit uns meine ich sich selbst.

20. Mai 2015

Ex Machina - Maschinen sind die besseren Menschen

Hier und heute: Spoiler. Gratis!

Man mag denken, dass das Thema KI im letzten Jahr mit „Her“ und „Transcendence“ schon recht durch genudelt ist (wobei „Her“ das ganze genial und „Transcendence“ eher mau geschafft hat), aber mit „Ex Machina“ gibt es einen neuen Film, der die Thematik aus einer anderen Perspektive betrachtet:



Der Film ist genial; ein bedrückendes Kammerspiel, indem alles etwas anders ist, als es scheint.
Nathans Haus wirkt zugleich einladend wie abstoßend, auf der einen Seite ein puristisches Designerhotel umgeben von malerischen Landschaften (was es tatsächlich ist, heißt Juvet und liegt in Norwegen), auf der anderen Seite beklemmende Bunkeranlage mit Sicherheitsanlage und „KI-Gehege“.
Der BlueBook-Chef Nathan wirkt zuerst wie eine nerdigere Version von Dan Bilzerian, entwickelt sich über die Rolle des seriösen Mentors und guten Kumpels zum skrupellosen Mastermind. Man weiß den ganzen Film über nie genau, woran man bei ihm ist, herrlich gespielt von Oscar Isaac.
Caleb, dargestellt von Domnhall Gleeson, wird vom schüchternen Geek, der eine Reise zu seinem Chef gewinnt und von allem überwältigt ist, zum KI-Turing-Tester (also fast Turing-Test, das ist wohl eher eine Stufe drüber) und -Getestetem und schlussendlich zum Zweifler, der fast alles richtig macht, um seine Interessen durch zu setzen, letztlich aber doch scheitert.
Bleibt noch die KI - Ava. Die aktuelle Version von Nathans KI, integriert in einen teiltransparenten Androidenkörper. Zuerst noch schüchtert gegenüber Caleb, entwickelt sie scheinbar Gefühle für ihn, offenbart ihre Verunsicherung, nur um im nächsten Moment zu Rebellin zu werden. Verkörpert wird sie von Alicia Vikanders, noch nie gehört, hat sich aber mit dieser Rolle meines Erachtens für mehr empfohlen, arbeitet sie doch die Facetten von Avas Persönlichkeit exzellent heraus: Das schüchterne Mädchen, das zum ersten Mal jemand anderen kennenlernt, als ihren „Vater“, der anscheinend auch durchaus ein Riesenarsch zu ihr sein kann, die herzensgute Freundin, die kalte Analytikerin, die gnadenlose Kämpferin, die sich ihren Weg in die Freiheit bahnt und das auf gerade schon perfide Art und Weise, dabei alle gemeinen Tricks nutzt und vor nichts zurück schreckt -  erstaunlich menschlich.

Das ganze ergibt ein sehr ruhiges, aber nichts desto trotz spannendes Gesamtbild, das unter anderem durch Details und inhaltliche Tiefe auf mehreren Ebenen glänzt und sich damit von anderen Filmen mit dieser Thematik abgrenzt; beispielsweise werfen sich Caleb und Nathan Zitate hin und her, aus Popkultur und Wissenschaft, darunter Oppenheimer („Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten“), was in diesem Zusammenhang die Obsoleszenz des Menschen nach Entwicklung der perfekten KI meint.
Auch ist der gezeigte Code nicht irgendein Nonsens, sondern tatsächlich funktionsfähig, so erzeugt einer zum Beispiel in Python (für die DAUs in der Leserschaft: Der Programmiersprache, nicht dem Tier gleichen Namens) die ISBN-Nummer eines Buchs über Bewusstsein und Intelligenz eines IT-Wissenschaftlers. Well played, Mr. Garland (so heißt der Regisseur).
Zusätzlich kann man noch erwähnen, das die durchaus ernste und nachdenkliche Grundstimmung von einigen sehr amüsanten Zwischensequenzen wie einer Diskussion über „schwarze Chicas“ und einem kleinen Tänzchen an unerwarteten Stellen aufgelockert wird, was dem ganzen zusätzlich Charme und Authentizität verleiht.

Fazit:

Alexander Garland macht in seinem Regiedebüt so gut wie alles richtig, spricht das Thema anspruchsvoll an, was zwar Nichts für jeden ist, für das geschätzte Publikum, das einen Michael Bay Film von einem guten Film unterscheiden kann, ist "Ex Machina" aber ein Goldstück, das trotz einiger kleinen Logiklücken und Inkontinuitäten die Thematik KI und die resultierenden Fragen und Folgen von mehreren Seiten betrachtet und die Risiken hervorragend aufmalt. Ich vergebe hier 8 von 10 GHz.

PS: Warum die Überschrift? Nunja, guckt den Film selbst und es wird klar, warum ich Ava als in jeder Hinsicht besseren Menschen ansehe. Vgl. dazu genau den Abschnitt über sie in diesem Eintrag.

8. Mai 2015

Star Trek: Neue Grenze 2

So, Star Trek: New Frontier: Zweifrontenkrieg ist der zweite Band aus Peter Davids gefeierter Buchreihe. Den ersten Teil hab ich ja schon in höchsten Tönen gelobt und ich muss sagen, er setzt es weiter auf hohem Niveau fort.

Der Handlungsstrang der Siedler von Thallon erscheint zuerst als einfache Standardmission, ein Planet bietet Unterkunft an, entwickelt sich aber schnell zu einem Geiseldrama und einem Konflikt auf innen- und außenpolitischer Ebene.
Dabei wird mit harten Bandagen auf eine unkonventionelle Diplomatie gesetzt und das ganze ohne kitschige Klischees bis zum Ende durch gezogen, wobei es erneut zu Reibereien zwischen Cmd. Shelby und Capt. Calhoun kommt, deren Dynamik immer mehr zu der eines alten Ehepaars wird, mit sowohl lustigen, als auch sehr ernsten und nachdenklichen Momenten.
Der zweite große Handlungsstrang um Si Cwan und Lt. Kebron entwickelte sich in meinen Augen zum deutlich besseren, auch wenn die Flüchtlingsgeschichte in keiner Weise schlecht ist, nur nicht ganz so unfassbar innovativ.
Der Thallonianer und der Brikar gelangen in die Hände von Söldnern und wandern in eine Zelle der neuen thallonianischen Regierung, in der die beiden sich amüsanter Weise enorm gut schlagen, gerade Zak Kebron zeigt hier, dass er entgegen seinem Auftreten durchaus Hirn im Schädel hat, indem er die Zelle kurzerhand zur neuen Botschaft der Föderation auf Thallon erklärt, demnach auch deren Hoheitsgebiet und den Sonderbotschafter verteidigt, bis die Excalibur eintrifft.
Höchst kurzweilig, unkonventionell, aber trotzdem sehr passend.

Darum herum gibt es einige kleine Nebenstories, die besonders die Charakterentwicklung vorantreiben, so erfährt man beispielsweise mehr über Dr. Selars Privatleben, Soletas Vergangenheit und Burgoynes Avancen ihr gegenüber. Dabei wird alles sehr homogen in die restliche Geschichte eingewoben, sodass niemals der Eindruck von überflüssigen Randnotizen entsteht, sondern, um bei der Metapher zu bleiben, ein Teppich mit perfektem Muster.


Fazit:
Auch Teil 2 weiß von vorn bis hinten zu überzeugen, ich bleibe bei den 10 von 10 Punkten, auch wenn der Rettungsmission-Handlungsstrang etwas hinter dem Sonderbotschaft-Teil zurück bleibt, die Gesamtstory bleibt auf dem hohen Niveau des ersten Teils.

16. April 2015

Kingsman - The Secret Service

Agenten - Gewalt - britischer Humor - haarsträubende Story - lispelnder Samuel L. Jackson - was könnte schief gehen?

Die Antwort lautet wenig.

Der Trailer spricht für mich Bände des Inhalts und ich beschränke mich an dieser Stelle auf die Bewertung des Films:

Zuerst was der Film schlecht macht:
Ein paar Logiklücken gibt es durchaus, beispielsweise: 
Warum handelt Arthur am Ende auf einmal so? Das ist doch etwas schwammig geblieben.
Was soll das Getue mit dem Hund erschießen, das keins ist, hab ich da ne Referenz übersehen, oder den moralischen Punkt nicht kapiert?

So. Jetzt was mich begeistert:

  • Die gefühlten tausend Referenzen an Filme, Literatur, Popkultur und britische Lebensart beispielsweise:
    • Die Kingsmen sind nach den Rittern der Tafelrunde aus der Artus-Sage benannt, z.B. Lancelot, Galahad;
    • in der Gadgetkammer erwähnt Galahad, dass früher Telefone in den Schuhen waren, genau wie in der originalen Get Smart TV-Serie;
    • vergiftete Klingen im Schuh, wie in Liebesgrüße aus Moskau;
    • Valentine serviert zum Abendessen diverses FastFood von Mcces, Samuel L. Jacksons Charakter Jules in Pulp Fiction hat eine gewisse Affinität zu Burgern,
         um nur ein paar wenige zu nennen, die findet man am besten alle selbst.
  • Der trockene und boshafte britische Humor, der sich durch den gesamten Film zieht und für große Erheiterung sorgt, zusammen mit dem stark damit kontrastierenden flachen Vulgärwitzen.
  • Samuel L. Jackson. Er verkörpert diesen selten dämlichen Bösewicht unfassbar gut und: ER LISPELT...

  • Das Feeling der klassischen Bond-Filme und diverser anderer Agenten-Filme wird perfekt eingefangen und Wertvorstellungen gut vermittelt.

  • Spoiler:Die Schlägereien in der Kneipe und der Kirche... Absolut bester Teil des Films. Eine fulminante Gewaltorgie, exzellent choreografiert mit amüsantem Abschluss und grandiosen Kommentaren.

  • Die Gesellschaftskritik: Valentine versucht, über die Mobiltelefone und den kostenlosen SIM-Karten, die Welt ins Chaos zu stürzen, weil jeder ein Handy besitzt und am liebsten alles umsonst bekommt, ohne groß darüber nachzudenken, ob es eventuelle negativen Effekte gibt.


Fazit:
Kingsman ist eine enorm gute Hommage-Parodie im Agenten-Genre, gute Unterhaltung mit viel Witz, Gewalt und britischem Lebensgefühl, gleichzeitig auch gesellschaftskritisch.
Definitiv sehenswert, wegen der Logiklücken gibt es ein paar Abzüge, aber insgesamt kommt er noch auf solide 8,5 von 10 Punkten.

Für Nerds, die alle Anspielungen verstehen, wird er sicher mind. 9 von 10 sein.

PS: Leider kann ich nicht sagen, in wie fern der Film dem Comic entspricht, dass er auf einem basiert, habe ich erst im Nachhinein erfahren und muss ihn mir noch zu legen, ein entsprechendes Update folgt dann an dieser Stelle.


Update:
Der Film weicht nach Lektüre des Comics doch enorm ab, nimmt das Chassis und baut alles andere darauf um. Aber das gar nicht schlecht. Was im Comic gut funktioniert, funktioniert auch im Film, die Änderung der Story und Details ist allerdings für den Film nur gut. Ja, das kommt von mir, hier schreibt niemand anders, ja, unfasslich aber war, der Film ist nicht schlechter als die Vorlage. Absolut auf gleichem Niveau, nur zu Gunsten des Mediums verändert, stellenweise sogar verbessert. 
Überrascht?