15. Oktober 2014

Wie angedroht: Frankfurter Buchmessen-Kurzbericht

War gut.
Ende.

Längere Fassung:
Es war einfach fantastisch.

Ausführlich:
Überall Bücher wohin man schaute, an jeder Ecke Sitzgelegenheiten und teilweise Freigetränke zum Probelesen, hier ne Lesung, da ne Signierstunde, dort eine Buchvorstellung, drüben eine Präsentation, am blauen Sofa eine Diskussion, aber ein Fehler:
Der Samstag. Man konnte keine Bücher kaufen, bzw. nur im Finnland-Bereich. 
Because of: Reasons.
Aber der Finnland-Teil war richtig klasse, ein Rondell, außen Buchregal, innen Polstergarnitur, komplett in weiß, angenehm beleuchtet. 
Habe eine wundertoll morbide Graphic Novel entdeckt, „Der Tod klebt an den Fersen“, ich zitiere ein Panel recht zu Beginn: „Während der Beatmung blähten sich Augen und Schädel des Babys auf.“ 
Hähähä, ganz nach meinem Geschmack.
Eine weitere Entdeckung: Der Anaconda-Verlag (hat den längsten). Viele Literaturklassiker, Sagen und Mythen, Philosophisches, sowohl die europäischen als auch fernöstlichen, gebunden, zu einem Spottpreis und es gab eine Sherlock Holmes Tasche gratis. Allein dafür hat es sich gelohnt.


Fazit: Nächstes Jahr wieder, aber unbedingt am Sonntag, damit auch ordentlich konsumiert werden kann oder beide Tage, um mehr Veranstaltungen mit machen zu können.

Wish it was better

Achtung: Dieser Beitrag enthält Spoiler, Zynismus, Arroganz, Ignoranz und Spuren von Nüssen.* Zu Risiken und Nebenwirkungen verbrennen sie [beliebige Glaubensschrift einfügen] und fragen sie ihren Guru oder Demagogen.

„Wish I Was Here“ ist der neue Film von John Dorian aka Zach Braff, der vor zehn Jahren mit „Garden State“ bewies, dass er richtig gutes, genreübergreifendes Kino machen kann, ohne zu sehr in Richtung Kitsch oder seine Serienrolle abzugleiten (das einzige was mich wirklich an „happythankyoumoreplease“ von Josh Radnor gestört hat). Es gab viel Aufsehen um die Finanzierung über Kickstarter, erwartete man doch, dass ein Schauspieler wie Braff das ganze ohne Probleme selbst finanzieren könnte, nichts desto trotz hat der Film innerhalb kurzer Zeit, u.a. dank meiner kleinen Spende, für die ich ein formschönes T-Shirt mit exklusivem Backer-Motiv („Backer, der/die/das“, Neusprech nicht etwa für einen Spezialisten für geröstete Teigwaren, sondern für menschliches Herdenvieh, das bereit ist, sein Geld für Projekte aus zu geben, in der Hoffnung, dass sie tatsächlich realisiert werden, sodass sie ein „Dankeschön“ oder auch „Perk“, wie der findige Internetzbewohner sagt, erhalten und ihr Geld nicht einfach weg ist.) erhalten habe. 

Zurück zu Flachzanges neuem Film:
In „Wish I Was Here“ geht es um den „thirtysomething“ Schauspieler Aidan ohne Arbeit, der an sich selbst und seiner Unfähigkeit, seine Familie, eine Ehefrau gespielt von Kate Hudson, eine Tochter gespielt von Joey King und einem Sohn gespielt von weiß ich nicht mehr, ich werde schließlich auch älter, zu ernähren frustriert. 
Nebenbei erkrankt sein Vater auch noch an Krebs und kann das Schulgeld für die Kinder nicht mehr bezahlen, da er das Geld für eine Behandlung benötigt.
Aidans Geek-Bruder Noah ist in der ganzen Misere auch keine große Hilfe, ihm geht es mehr darum, sein anders sein aus zu leben.
Das ganze drumherum wird unterstützt von Erinnerungs- und Traumsequenzen der Brüder an ihre Kindheit. Soweit der Inhalt, der Trailer spricht denke ich bessere Worte.
Das Setting ist zwar nicht gerade neu, aber durchaus ansprechend durch die grandios griesgrämige Art des Vaters, die er bis zu letzt bei bei behält. Ebenfalls nicht neu, aber trotzdem super war der eingestreute „Scrubs“-Humor, gerade am Anfang, nachdem Aidans Vater ihm seinen Gesundheitszustand und das nicht mehr zahlbare Schulgeld darlegt, „Ohman“ und die Tatsache, dass Aidan sich um den Hund kümmern muss, eröffnet: „Das sind so viele schlechte Neuigkeiten auf einmal.“ Nett sind auch die Gastauftritte von Turk und Sheldor dem Eroberer, auch wenn diese Charaktere durchaus mehr Zeit verdient hätten. Begeistert hat mich die Idee der Traumsequenzen, die waren sehr surreal, sehr gut ausgearbeitet, fantastisch dargestellt und auch viel zu kurz. Stattdessen legt man viel mehr Wert darauf, die Diskussionen des Ehepaars zu zeigen, die jedes mal ähnlich bis gleich sind, mehr so meh.
Desweiteren ist viel zu viel Pathos und Kitsch in dem Film, da könnte man 5 neue „Tomte“-Alben von aufnehmen, lediglich am Ende, kurz bevor der Vater stirbt, wirkt es nicht übertrieben, der im sterben den schönen Dialog führt: „Erinnerst du dich damals in LA, [...], da waren in der Nacht überall Glühwürmchen“ - „Dad, da waren keine Glühwürmchen“ - „In meiner Erinnerung sind dort welche, einfach weil ich es will, dass sie da sind“ (oder so ähnlich). 
Unterstützt wird diese Flut noch vom durchgängig warmen Licht: Ständig denkt man, die Sonne würde aufgehen (außer im Supermarkt, in dem Aidan, ganz der Held, für seine Frau einsteht und aufs Maul bekommt, geniale Szene, von wegen Held sein oder nicht und was es ausmacht). Was lens flares für Jar Jar Abrams sind, das sind 1000-2000 K Lampen für Zach Braff...
So, genug. Mein Fazit fällt recht gemischt aus, der Film hat tolle, durchaus lustige, wie ernsthafte Ansätze, die Probleme der Kinder, die Beziehungen innerhalb der Familie, das amerikanische Bildungs- und Gesundheitssystem etc., krankt aber daran, dass Braff Amerikaner ist und alles zu sehr im Kitsch ausufert und seinen eigenen, neuen Ideen wie den Traumsequenzen oder dem Geek-Bruder, zu wenig Platz gibt, ihre komplette Wirkung und Bedeutung zu entfalten und kommt nicht an „Garden State“ heran, der, obwohl weniger Erwachsen, deutlich weniger kitschig ist und seine Botschaft besser rüber bringt.
Dafür insgesamt 5,5 von 10 Punkten, da es trotz dieser Schwächen durchaus sehenswert ist und eine nette Unterhaltung für einen feel-good-Abend ist.

*Nährwerttabelle:

                     Menge                   Anteil an der 
                   pro Seite:        empfohlenen Tagesdosis:
Spoiler           10g                          8,472%
Zynismus         1t                       10^10% (letal)
Arroganz        42g                         31,42%

Ignoranz      1,23kg                       45,6%

8. Oktober 2014

War sonst noch was?

Ja, durchaus ist noch mehr passiert im letzten Monat, ich war nur zu faul zum schreiben. Man darf sich ja mal auf seinen grandiosen 300+ Klicks innerhalb von 30 Tagen ausruhen. Ja, bitte, danke, kein Applaus für diese famose Leistung.

Photokina war. Ja. Da. Halt. Nett. Aber früher war mehr Lametta. Viele Stände wie zum Beispiel der von Hasselblad waren enorm verkleinert, sonst mit dickem Auto und passenden Models bestückt, stand diesmal da nix. Schwaches Bild. An einigen andern Stellen das selbe. Aber dafür hatten wir ne Menge Spaß mit Sofortbildkameras und Jägermeister. Ja kostenloser Jägermeister am f-stop Stand, das war zwar etwas unseriös und wahrscheinlich auch illegal, hat dem ganzen aber viel Freude hin zu gefügt. 
Nikon leider immer noch nicht die Kamera gebracht, auf die ich warte, einen D300s-Nachfolger... Spackos... aber die 750 ist schon ein nettes Gerät.
Leica war super wie immer, tolle Ausstellung, man fühlt sich mit sonem Ding in der Hand schon son bisschen erhaben und wenn man dann noch mit dem Noctilux mit 0,95 Offenblende fotofiert... hach... 

Klausuren über Klausuren, jaja, studieren muss man ja auch noch ein bisschen, *hust* "bisschen" *hust*, liefen teilweise sogar gar nicht so scheiße, könnten zum Teil bestanden sein, abgesehen von Konstruktionstechnik, das war ja ganz grausam... Aber ja, es lohnt sich, kaum Freizeit, viel zu lernen, totaler Mindfuck, studiert Maschinenbau, macht ja sonst keiner.

Neues In Flames Album. Eher so "meh", noch mehr 08/15 Metalcore, sehr repetitive Lieder, das hat selbst mit wiederkehrenden Themen nix mehr zu tun, es ist tatsächlich bis auf 2 Lieder nichts in meinem Kopf hängen geblieben, vielleicht ein drittes. Aber "Wide Eyes Open" und "When the World explodes" haben sich einfach in meinen Kopf gebrannt und wurden, neben der endlosen Postrock-Liste und Roads von Portishead, zum Soundtrack des Lernens. Bin mir nicht sicher, ob das ein gutes Zeichen ist... Wahrscheinlich nicht, sollte mal wieder zum Psychodoc... 

Neuer Doctor. Ja, Matt Smith und sein Slapstick sind (leider?, bin da noch nicht sicher) weg und Peter Capaldi mit seinem ernsten, aspergernahem 12. Doctor ist da. Die neue Staffel lieferte bisher eigentlich ganz solide Folgen, einen richtigen Burner, namentlich "Listen" mit so viel Tiefgang und Mindfuck durch die Zeitlinien, aber auch einen richtigen Schuss in den Ofen mit der Folge von Samstag, "Kill the Moon", die bis auf zwei Momente nix zu bieten hatte... Naja, wird noch.

Achja, zweiter Platz beim Turnier bei den Aktiven gemacht, whey (Finalgefecht reden wir einfach mal nicht drüber, das hätte nicht so enden müssen. Notiz für mich: Mehr trainieren und weniger zu kurz fallen).

Und am Samstag gehts nach Frankfurt zur Buchmesse, mal schauen was da so abgeht, vielleicht kommt da noch ein Blogpost. Wenn ich nicht wieder faul, krank, abwesend, abgelenkt oder einfach demotiviert bin.

Sin City 2: Der nächste Beweis, dass Kritiker sich Irren können

Sin City - Das steht für Gewalt, Sex, Intrige, CGI, kranke Charaktere und düstere Dialoge.
2005 war der Film ein Novum, explizit, brutal und gnadenlos, dazu ein noch nicht da gewesener Look.
Und genau das bietet der zweite Teil auch:
Dieselbe geniale Atmosphäre, in der man jederzeit die düstere Atmosphäre spürt, der gleiche Look, die Story wird teilweise weiter geführt, andere Teile sind ohne offensichtlichen Zusammenhang zum ersten Teil. Ein guter Mix. Die neuen Charaktere (oder neu besetzten) fügen sich weitgehend nahtlos in die Stadt der Sünde ein.
Zu den Storys sag ich nix, der Trailer spricht für sich, jedenfalls kann man genug entnehmen, es geht um Rache, Liebe, Abhängigkeit, Spiel und alle andern Sünden. Hähä.
Die Darsteller machen ihren Job enorm gut, Mickey Rourke ist ganz in seinem Element als Marv, Powers Boothe ganz der Arsch vom Dienst und (ich werde jetzt ein wenig fanboyeskes Gelaber von mir geben) neben all den andern ganz vorne und unerreichbar, Eva Green als wahrlich kranke Ava: Manipulativ, gerissen, intelligent, verschlagen, gewaltbereit, freizügig (ne Menge Fanservice, wenn ich es überlege in all ihren Filmen in letzter Zeit, naja, ich beschwer mich mal nicht bei der Aussicht^^) und geisteskrank und und und. Jede Facette spielt Green, als wäre sie diese Person und man will ihrem Willen gehorchen... ähm... Ja, also sie spielt alle anderen an die Wand. 
So, Bezug zum Titel: Die Kritiker (und viele normale Kinogänger) bemängeln in irgendeiner Form die flacheren Dialoge, die unausgereifte Story blablabla, so ein Quatsch, der Film kann einfach nicht der über 9 Jahre aufgebauten Erwartungshaltung gerecht werden und das ist vollkommen okay. Wie sollte er auch? Der Look ist halt schon mal da gewesen und nicht so „revolutionär“ und „neu“ wie 2005, auch die Darstellung von menschlichen Trieben in einem solchen Ausmaße ist Normalität geworden. Und im Ernst, flache Dialoge? Die waren also im ersten Teil tiefsinnig-philosophische Erörterungen über die moralische Unbedenklichkeit von Kannibalismus? Klatscht den Kopf ein paar mal gegen nen beliebigen Gegenstand und guckt den Film ohne diese überzogene Erwartungshaltung mit dem Gedanken, den ersten Film einfach fortzuführen und niemand wird enttäuscht, so einfach kann das Leben sein. Fantastisch! (Ich sollte diesen Blog umbenennen in „Philipp mit der Uhr‘s guide to a better life“...)

So, aber nichts desto trotz gibt es ein paar Dinge, die mich stören an diesem tollen Film:
Er ist ab 18, wir sehen Eva Green öfter nackt durch die Gegend hopsen als Marv Unschuldigen den Schädel zermatschen (letzteres ist auch viel wichtiger für die Story, but who cares?), aber trotzdem fallen keine Hüllen bei ner Stripshow? Come on, son bisschen Realismus kann ich doch erwarten (nein, es geht nicht drum Jessica Alba nackt zu sehen, sondern um die Stringenz des Ganzen... und darum dass sie sich auszieht...[Zynismus aus: Das war Sarkasmus und damit nicht ganz ernst gemeint. Zynismus wieder an.]).
Josh Brolin war kein guter Clive Owen Ersatz, der hätte dieses treudoofe Schaf mit Eiern in der Hose deutlich besser spielen können.


Aber Fazit, nicht zu viel auf Kritiker geben, Erwartungshaltungen begraben und einfach genießen, 8,5 von 10 Schlägen ins Gesicht. Verblutet jämmerlich, hähähä.

6. September 2014

Guardians of the Galaxy

Was wurde dieser Film hoch gelobt. Überall „Film des Jahres“, „Grandios“, 5 Sterne usw.
Arschlecken.
Naja, nicht ganz. Der Film ist eigentlich in Ordnung. Wenn man nichts gegen ein maues Drehbuch hat. Aber von Anfang.
Als Kind im Jahre 1988 von der Erde „entführt“(?) verdingt sich Peter Quill aka Starlord als Bandit im Weltraum, der in einer zerfallenen Tempelanlage ein wertvolles Artefakt (oh, welche Wunder) besorgen soll. Allerdings ist er nicht der einzige, der sich dafür interessiert (damit hätte keiner gerechnet) und so wird ihm das Artefakt beinahe abgenommen. Beim Verkaufversuch wird er erneut attackiert, zum einen von Gamora, die für Ronan, einen verrückten Kriegsherren, arbeitet und von Rocket und Groot, die auf Starlords Kopfgeld aus sind. Allerdings werden sie alle vier gefangen genommen und landen in einem Gefängnis. Hier tritt dann auch Drax auf den Plan, der zuerst Rache an Gamora für den Tod seiner Familie nehmen will. Allerdings bemerken sie schnell, dass sie als Team arbeiten müssen, um dem Gefängnis zu entkommen. 
Danach kommt obligatorisches Weltraumgeballer, der erste Triumph, retardierendes Moment und am Ende Friede, Freude, Grootgetanze. Standard-Marvel halt.
So. Zum wichtigen. 
Bis zum Gefängnisausbruch oder sogar bis zum Kampf in Nowhere ist der Film tatsächlich so gut wie angepriesen: Die Story hat viel Tempo, die Charaktere werden klasse eigeführt, viel Witz und Bissigkeit. Gerade Rocket, Groot und Drax können in letzterem glänzen, versteht Drax doch weder Ironie, noch Metaphern. Dazu kommt, dass das ganze sogar noch alles theoretisch möglich ist.
Aber dann... Es beginnt mit der Szene, in der Starlord Gamora aus dem Weltraum rettet...
Ohman. Grenzwertig. Man erfriert im Weltraum mangels wärmeleitenden Mediums nicht, sondern erstickt mit der Zeit und das Gehirn beginnt Schaden zu nehmen. Anscheinend waren die Drehbuchautoren im mal eine gewisse Zeit ungeschützt im Weltraum...
Noch schlimmer. Mit dieser Szene hätte man leben können. Aber ab da läuft wirklich als nach Schema F ab, alles sehr vorhersehbar und klischeehaft (ich sage nur, zögernde Gegenspieler usw).
Retten tun den Film das erste Drittel und die Charaktere. 
Das Zusammenspiel der Gruppe (Gamora mal ausgenommen, die ist hier nur Fan-Service und recht blass) funktioniert grandios, die Sprüche werden hin und her gekloppt, es gibt enorm viele Anspielungen auf die Popkultur der 80er, gerade von Seiten Starlords, der bspw. zu Beginn im Tempel herumtanzt, bevor er die Kugel holt.
Groot und Rocket funktionieren schon zu zweit wirklich gut, in der Gruppe wird es noch besser. Der schießende Waschbär nimmt kein Blatt vor den Mund und seine Zimmerpflanze metzelt sich direkt ins Herz des Zuschauers. Seufz. Ja. Klar. Groot ist einfach badass. Punkt.
Die Nebenrollen können auch recht gut überzeugen, bis auf den Antagonisten, der ist schwach. Lee Pace sollte lieber bei Elbenkönigen mit großem Ego bleiben: Karen Gillan als Tochter des Thanos kämpft sich enorm elegant durch die Gegend, Starlords Weltraum-Ziehvater, Merle Dickson... ähm Yandu, sorgt auch für einigen Spaß und Action, aber warum zur Hölle wird hier wieder Thanos angeteased, als Mann hinter allem, wenn er selbst nicht in Aktion tritt? Wie lange sollen wir da noch warten? Avengers 2 hat Ultron als Gegner, Guardians 2 mit Avengerunterstützung? Man, das wäre ätzend.
Achja, der Collector darf auch. Hat ne süße Sammlung. Der wird hoffentlich auch noch ausgebaut, scheint ein interessanter Charakter zu sein und nach den Comics wird er ne größere Rolle spielen....
So. Viel blabla.
Film bekommt 6,5 von 10, weil er zu Beginn das hält, was er verspricht, danach aber abdriftet und die Charaktere ein tolles, heterogenes Team bilden das einiges an Storyloch herausreißen kann. Er ist teilweise besser als die andern Marvel-Verfilmungen, aber meiner Meinung nach kommt er ganz knapp nicht an Avengers ran und schon gar nicht an Days of a Future Past. Isso.

26. August 2014

Fair Youth

Es ist soweit, die britischen Postrocker von Maybeshewill haben ihr neues Album "Fair Youth" veröffentlicht.
Und es ist ein Glanzstück, man merkt, es kommt aus Leicester, die typische Melancholie verpackt in einen kleinen Optimismus mit leidenschaftlichem Handlungsdruck.  Es hat zwar ein paar kleine Makel, aber das ist in Ordnung.
Also, warum:
Nun, mit "I was here for a moment, then I was gone" haben sie es sich selbst schwer gemacht, denn das Album war so nahe an der Perfektion, wie es ein Album nur sein kann, die perfekte Mischung aus ruhigen, aggressiven, getriebenen und getragenen Passagen, harten Riffs, auf-die-Fresse-Drums und sanften Elektro- und Klassikpassagen.
Mit dem neuen Album haben sie etwas ausprobiert und das ist vollkommen in Ordnung, aber ganz heran ragen tut es nicht. Warum? 
Sie haben die Verhältnisse geändert, so sind jetzt eher die Elektrokomponente und der klassische Teil dominant, mit eher hintergründigen Gitarren, die trotzdem gut zum tragen kommen, aber etwas ruhiger geworden sind. Das funktioniert gut, wirkt aber im Vergleich zum Vorgänger an wenigen Stellen kraftlos und zu glatt, während man auf allen vorherigen Alben noch deutliche Ecken und Kanten hatte.
Aber das war es auch schon an negativer Kritik (ja, ich kann auch nett sein, findet euch damit ab)
Was positiv auffällt, die Lieder sind in sich anders strukturiert als zuvor, so enden sie ähnlich oder sogar gleich, wie sie beginnen, während dazwischen unterschiedliche Spannungen und Stimmungen aufgebaut werden.
Das resultiert unter anderem darin, dass man sich (oder zumindest ich) "In Amber" mehrere Stunden in Dauerschleife anhören kann, ohne dass man merkt, dass das Lied ein Ende oder einen Anfang hat, dazu kommt, dass die Komposition sehr kurzweilig ist. 
Beim weiter hören im Album merkt man dann gar nicht, wie die Songs verfliegen, sind die Wechsel doch enorm gut gestaltet, wo ich dann hängen geblieben bin, ist die erste Single, "Fair Youth", auch ein enorm gutes Lied, mit vielen Wechseln, aber auch das kann man sich stundenlang geben, ich weiß nicht, wie sie es machen.
Ansonsten sind als Anspieltipps, neben dem gesamtem Album, "Asiatic", sehr ruhig, aber die Instrumente bekommen alle gleichermaßen einen Rahmen, man denkt erst, es ist sehr eintönig, beim weiteren, genaueren Hinhören merkt man, das immer Kleinigkeiten verändert werden und "Waking Life", sehr getrieben, viel Druck mit passiv aggresiven Gitarren, die sich im Laufe des Liedes immer weiter steigern, um am Ende einfach zu ersterben, würde sagen, der stärkste Einzelsong vom Album, zwar nicht so markant wie "He films the Clouds, Part 2", aber live wird der Song ein muss.

Fazit:
Sehr starkes Album mit kleinen Abstrichen, vergleichbar mit "Sing the word hope in four part hamony", nur dass der Gitarrenschwerpunkt auf das drumherum verlegt wurde, was als gesamtes sehr gut funktioniert, da stört es auch nicht, dass es kein "He films the Clouds, Part 2" oder "Red Paper Lanterns" gibt, die man immer im Ohr hat, dafür ist es die gelungenste Gesamtkomposition als Album.
8 von 10 Punkten.


PS: Vergleichswerte.
Ich würde "IWHFAMTIWG" 9,9 von 10 geben, einfach weil es sowohl als Gesamtes funktioniert, viel viel Abwechslung bietet und die Songs trotzdem alleine für sich immer erkennbar und einzigartig sind.
"Not for want of trying" 9 von 10, weil es zwar die besten Einzellieder hat, aber ein wenig nach Flickwerk klingt, man merkt, die Lieder kommen von einer Band, aber man hört, das ist das erste Album der Band, sie müssen sich noch ein wenig finden und hauen ihr gesamtes Repertoire heraus.
"STWHIFPH" bekäme ebenfalls 8 von 10, es ist genauso wie "Fair Youth" sehr gut, aber es legt ein wenig zu viel Wert auf die Gitarren und hat nicht so eingängige Einzelstücke.

21. August 2014

Sag nicht wer du bist. Und nicht, was du eigentlich hier machst, warum du Sachen machst und überhaupt sag am besten gar nichts.

Das fasst so ziemlich den neuen Film von Xavier Dolan zusammen, den aus einem mir unerfindlichen Grund alle Kritiker in den Himmel loben.
Meiner Meinung nach ist es ein langgezogener, lückenhafter Depressionsexzess. 
Was nur zu einem Drittel negativ ist.
Worum es geht: 
Tom, etwa Mitte 20, fährt zur Beerdigung eines Freundes, der aus irgendwelchen Gründen gestorben ist, die wir aber nicht erfahren. Er wohnt bei der Mutter des Verstorbenen und dessen kontrollsüchtigen Macho-Bruder, der Tom nach der Beerdigung nicht gehen lassen will, damit er, augenscheinlich, seine Mutter mit Geschichten aus dem Leben des Toten bei Laune hält, die er sich ausdenken soll.
Mhh. Interessanter Ansatz, die Lösung des Ganzen, dass Tom und die Brüder schwul sind und es nicht zeigen können/wollen ist gut inszeniert. Aber ein paar mehr Informationen wären schon schön gewesen. 
Ja, der Ehering an Toms Finger in Kombination mit den Flashbacks ist schon ein Wink mit dem Scheunentor, aber ansonsten bleibt man eher ratlos zurück, warum sind sie so, haben sie Angst vor Homophobie oder sonst was, das darf man sich alles selbst zusammen basteln.
Ich habe nichts gegen eigenes Denken, um Hintergrund zusammen zu basteln, in Only God Forgives oder The Signal muss man das ja auch, aber die Filme haben die Gradwanderung gemeistert, Sag nicht wer du bist, so gar nicht.
Dann zum zweiten Schnitzer: Die Länge. Unerträglich. Hier ein französisches Lied, da noch ein Popsong, hier ein nicht endendes Schweigen, das macht das ganze enorm zäh, dabei hätte der Film es gar nicht nötig, sich dieser Mittel zu bedienen, denn (Achtung, positives, nicht erschrecken) von der technischen Seite ist der Film einwandfrei: 
Allein durch die Bildkomposition wird die Bedrückung, die Verzweiflung, die Ausweglosigkeit, die Angst, halt der ganze depressive Quatsch einwandfrei vermittelt. In Kombination mit der wirklich guten Schauspielleistung hätte man also die ein oder andere Länge umgehen können und den Film zu dem machen können, was er sein soll, ein Psycho-Thriller und nicht zu dem, was er ist, ein franko-kanadischer-Albtraum, aus dem man am Ende ratlos aufwacht. 

Fazit: Grundidee wirklich gut, technische Ausführung einwandfrei, Drehbuch meh, Spannungsbogen schnarch, gibt 4 von 10.